
Mit nur wenigen Tagen Zeitunterschied sind zwei interessante neue Bildbearbeitungsprogramme für Mac OS X erschienen, die laut Aussage der Hersteller und vieler Blogger als die ersten ernstzunehmenden Photoshop-Alternativen für die Apple-Plattform gehandelt werden.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Das mit der Photoshop-Alternative vergessen wir gleich mal ganz schnell, denn beide Programme bilden nur 20 bis 30 Prozent der Funktionen ab, mit denen sich das Adobe-Flaggschiff schmücken kann. Davon abgesehen kann man Pixelmator und Acorn jedoch wunderbar miteinander vergleichen, da sie einen ähnlichen Funktionsumfang bieten und auch in der gleichen Preisregion liegen.
Fangen wir mit Pixelmator an, welches gestern erschienen ist und als knapp 70 Megabyte große Anwendung für 59 US-Dollar zu haben ist. Um das Programm ist in den letzten Monaten ein regelrechter Hype entstanden, weil die eindrucksvoll gestaltete Website seit geraumer Zeit grandiose Features verspricht, vom Programm selber aber kaum etwas zu sehen war. Der Verdacht von Vaporware (= angekündigte Software, die niemals erscheinen wird) kam schon sehr früh auf. Doch die beiden Entwickler (die Brüder Dailide) haben jetzt endlich Wort gehalten und nach einer geschlossenen Betaphase ihr Pixelmator auf den Markt geworfen. Ob es so grandios geworden ist, wie immer angekündigt, darüber kann gestritten werden. Auf jeden Fall stellt das Programm einen engagierten Versuch dar, die Power der Grafikchips auszureizen, um den Hauptprozessor in seiner Arbeit zu entlasten. Pixelmator setzt einerseits auf Schnittstellen und Bibliotheken, die ins Betriebssystem eingebaut sind, andererseits auf Open-Source-Skripte. Und es ist wirklich schick geworden – die Oberfläche ist clean, sexy und sinnvoll aufgeteilt.
Deutlich zurückhaltender im Marketing und vielleicht auch nicht so sexy gibt sich Acorn von Flying Meat. Hier gibt es einen Einführungspreis von 39 US-Dollar, und das Programm wiegt in der Tat nur 14 Megabyte im entpackten Zustand. Acorn ist gute zwei Wochen vor Pixelmator erschienen und setzt ebenfalls auf Mac-OS-X-Bausteine wie CoreImage. Es gab keinen besonderen Hype um Acorn, allerdings sei zu erwähnen, dass der Entwickler Gus Müller auch schon das populäre und preisgekrönte VoodooPad herausgebracht hat, also ein alter Hase in der Mac-Entwicklung ist.
Gemeinsamkeiten
Beide Applikationen sind einfach zu bedienende Tools zur Bild- oder Fotobearbeitung. Sie verwenden Ebenen, die mit diversen Transparenzmethoden auch überlagert werden können. Es gibt jedoch keine Vektorformen oder Ebeneneffekte (wie Schatten oder Relief), und auch das Platzieren von Texten ist eher rudimentär. Dafür sind die Farb- und Formfilter sehr reichhaltig.
Pixelexaktes Arbeiten, um beispielsweise Webscreens oder Mockups oder gar Icons zu entwerfen, ist bei beiden Programmen kaum denkbar, und auch die Exportfunktionen fürs Web mit GIF-Paletten oder JPG-Vorschau sucht man vergebens.
Gut gelungen ist bei beiden Applikationen der Vollbild-Modus, mit dem man wunderbar ein einzelnes Bild ohne visuelle Ablenkung bearbeiten kann.
Stärken von Pixelmator

Pixelmator ist mit Sicherheit das bessere Retusche-Tool. Es gibt mehr Werkzeuge, alle möglichen Pinselformen, einen Klonpinsel und viele Möglichkeiten mit Transparenzen und Fadings zu arbeiten.
Darüber hinaus versucht Pixelmator, es dem Photoshop-Umsteiger leicht zu machen, indem einige der wichtigsten Tastaturkürzel übernommen werden. Auch die Werkzeugpaletten erinnern an frühere Versionen des Adobe-Programms, als es da noch übersichtlich und schlicht zuging.
Ebenfalls erwähnenswert ist die riesige Auswahl an Import- und Exportformaten, die wahrscheinlich in dieser Form nur von GraphicConverter getoppt werden kann
Stärken von Acorn

Acorn ist noch einmal deutlich kompakter als Pixelmator und besteht im Regelfall nur aus zwei Fenstern: Bild und Tool-Palette. Letztere enthält alle Tools in einem – je nachdem, welches man auswählt, erscheinen dann kontextsensitiv andere Parameter zum Feinjustieren.
Eine Besonderheit ist die Stapelverarbeitung von Filtern. Man kann – ähnlich wie im Mac-OS-X-Automator – mehrere Filter aneinanderreihen und somit kombinieren. Eine lustig animierte Vorschau der Filtereffekte macht Laune. Außerdem ist die schiere Anzahl von Filtern sehr beeindruckend, immer vorausgesetzt, man steht auf sowas.
Fazit
Beide Bilderprogramme sind nette, kleine Tools, die sauber und pfeilschnell in Mac OS X umgesetzt wurden. Sie haben eine konsistente Bedienung, die einfach zu erlernen ist und eignen sich für eine schnelle und unkomplizierte Fotobearbeitung.
Was die beiden Applikationen nicht können: Photoshop ersetzen. Dazu fehlt die Präzision, die Vektorfähigkeit und die Möglichkeit, mit Schriften einigermaßen flexibel umzugehen. Von verschiedenen Farbsystemen, Smart Objects und anderen Nettigkeiten mal ganz abgesehen.
Am ehesten bietet sich noch der Vergleich mit Photoshop Elements an, dass für den Mac ja leider bei Version 4 stehen geblieben ist. Doch auch hier ist Elements von den Funktionen noch etwas überlegen, wenn auch nicht so gut in Mac OS X integriert.
Ob man nun Acorn oder Pixelmator bevorzugt, ist wahrscheinlich Geschmackssache. In Pixelmator sehe ich größeres Potenzial für weitere Entwicklungen. Es ist noch jede Menge Raum für umfangreiche neue Funktionen. Acorn hingegen will bewusst klein und reduziert bleiben, so mein Eindruck. Wer also keinerlei professionelle Ambitionen hat, kann bedenkenlos zu Acorn greifen. Engagierte Amateure oder Profis können sich Pixelmator auf jeden Fall ansehen, werden aber mit dieser ersten Version wahrscheinlich noch nicht so glücklich werden – gerade wenn man Photoshop von der täglichen Arbeit gewohnt ist.
Und wer noch ein wenig Geduld hat, kann auf Max OS X Leopard warten. Unter dieser Plattform soll dann nämlich Iris erscheinen, noch ein weiteres Bildbearbeitungsprogramm, das vielleicht interessant werden könnte.
Kommentare (2) 26.09.2007, gerritvanaaken

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Nicht mehr viel los in diesem Blog. Schade.
Danke Gerrit für diesen Promten Test.
Ich persönlich habe heute nur mal in den Pixelmator reingeschnuppert und bin, was das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht, begeistert.
Klar kann hier keine Rede von einer Photoshop Alternative sein, aber ein sehr nettes Tool für die heimische, semi-professionelle Bildbearbeitung ist hier sicherlich gegeben.
Viele Grüße aus Bonn, Oliver